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Regionales Entwicklungskonzept (REK) wird gemeinsam erarbeitet

Experten und hiesige Akteure tauschten sich zur Zukunft Ostbelgiens aus

Die zweite Umsetzungsphase des REK geht 2019 zu Ende. Zeit also, auszuwerten und sich Inspiration für die dritte Phase zu holen. Das geschah am 19. April im Kloster Heidberg während des REK-Zukunftskongresses.

Viele Menschen und Organisationen erarbeiten gemeinsam das Regionale Entwicklungskonzept. Ziel ist, sowohl Experten als auch Bürger und Vertreter der Sozialpartner, Institutionen, Vereinigungen und Organisationen aus Ostbelgien sowie die neun deutschsprachigen Gemeinden in den Prozess mit einzubeziehen.

Der REK-Zukunftskongress am 19. April war der Startschuss, um das neue Programm für die dritte Umsetzungsphase des REK auszutüfteln. Gemeinsam mit Experten werteten die Teilnehmer die Situation in Ostbelgien aus und entwickelten neue Ideen.

Der Tag begann mit zwei Erfahrungsberichten zu Themen, die die allgemeine Regionalentwicklung betreffen:

  • Fabian Reidinger (Staatsministerium Baden-Württemberg) zur Institutionalisierung der Bürgerbeteiligung,
  • Josef Ober, Bürgermeister der österreichischen Stadtgemeinde Feldbach und überzeugter Förderer von Regionen zum Thema der „Inwertsetzung“ von Regionen.

Am Nachmittag teilten sich die Teilnehmer auf sechs von Experten begleitete fachspezifische Workshops auf, die nachfolgend kurz beschrieben sind.

  1. Bildungsmanagement vor Ort gestalten – das Beispiel der StädteRegion Aachen (Referenten: Gabriele Roentgen und Dr. Sascha Derichs, StädteRegion Aachen)

    Das Bildungsbüro der StädteRegion Aachen arbeitet unter dem Leitspruch „Wir fördern alle Menschen in unserer Region, weil Bildung Zukunft ist“. Es fungiert als Koordinationsstelle, Vermittler und Netzwerkgestalter zwischen den unterschiedlichen Akteuren in der StädteRegion, um allen Menschen eine bestmögliche Potenzialentfaltung entlang der Bildungskette zu ermöglichen. Die Akteure werden identifiziert und eine strukturierte Zusammenarbeit organisiert, um eine Arbeit rein nach Zuständigkeiten zu vermeiden und Angebote so breit wie möglich zu gestalten. Auch für Ostbelgien gibt es Potenzial für eine noch engere und besser koordinierte Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure.
  2. Intelligente regionale Gesundheitsnetzwerke – ein neues Organisationsmodell des Gesundheitswesens. Das Modell Gesundes Kinzigtal (Referent: Ingo Meyer, Gesundes Kinzigtal)

    Das Projekt „Gesundes Kinzigtal“ ist ein in Deutschland einzigartiges Projekt. Es zeichnet sich aus durch die Tatsache, dass es bevölkerungsorientiert und sektorenübergreifend Gesundheitsförderung und Gesundheitsversorgung bietet. Ein solches Projekt könnte eine Chance für eine integrierte bürgernahe ostbelgische Gesundheitsversorgung sein.
  3. Regionale Baukultur und Tourismus: Potenziale erkennen – Perspektiven nutzen (Referenten: Tina Hörmann, Architekturbüro Heinz Jahnen Pflüger und Karsten Palme, COMPASS GmbH)

    Ein Zusammenspiel von regionaler Baukultur und Tourismus führt langfristig zu einer Steigerung der Identität, zur Bewahrung des kulturellen Erbes, zur Erhöhung der Lebensqualität und zur Förderung der Wirtschaft in einer Region. Ostbelgien hat ein hohes Potenzial, diese Ziele zu erreichen. Es gilt, die Werte der regionalen Baukultur zu erkennen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, die Kräfte zu bündeln und Akteure aus den verschiedenen Bereichen zu vereinen, um Ostbelgien als unverwechselbaren Standort hervorzuheben.
  4. Wie kann Arbeitsvermittlung über Grenzen und Systeme hinweg gelingen? (Referent: Horst Sahrbacher, Agentur für Arbeit Offenburg)

    Es wurde die Frage diskutiert, wie Arbeitsvermittlung über Grenzen und Systeme hinweg gelingen kann. Am Beispiel des deutsch-französischen Vermittlungsdienstes in Kehl wurde deutlich: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Der Referent verschwieg dabei allerdings nicht, dass die Hürden teils beträchtlich waren. Heute gilt die Arbeitsvermittlung in Kehl als Vorzeigemodell. Das Erfolgsrezept: langer Atem, klare Ziele, etwas Mut und nicht zuletzt eine gehörige Portion Pragmatismus.
  5. Jugendarbeit - Quo vadis? - Jugendarbeit im Wandel der Zeit und im Kontext von fachübergreifender Jugendpolitik 2020 und darüber hinaus (Referent: Manfred Zentner, Donau-Universität Krems)

    Laut Manfred Zentner hat Jugendarbeit die Integration junger Menschen in die Gesellschaft zum Ziel. Die Jugendzentrierung, die Freiwilligkeit, die Mitbestimmung, das ganzheitliche Verständnis der jungen Menschen in ihrem Leben und das Anbieten von Zeit und Raum stellen das breite Fundament (das Wurzelwerk) der Jugendarbeit dar. Damit kann sie einen wichtigen Beitrag leisten u.a. zur Partizipation oder zur nicht formalen Bildung. Neu ist, dass vermehrt die Frage nach der Nutzungsorientierung der Jugendarbeit gestellt wird. Daher appelliert Manfred Zentner dafür, dass Jugendarbeit für sich definiert, was sie eigentlich machen möchte und kann.

    Die anschließende Diskussion zeigte, dass gewisse Parallelen zur Situation der Jugendarbeit in Ostbelgien gezogen werden können. Als Spannungsfeld wird die abweichende externe und interne Wahrnehmung von Jugendarbeit genannt: Jugendarbeit soll einerseits gesellschaftliche Dienstleistungen erbringen, gleichzeitig wird die geleistete Facharbeit aber kaum wertgeschätzt. Ostbelgische Jugendarbeit hat sich in den letzten Jahren professionalisiert und hat mit Problemen wie Konkurrenzveranstaltungen oder dem schwindenden Ehrenamt zu kämpfen. Daher gilt es für viele Jugendeinrichtungen, unter diesen Rahmenbedingungen eine neue Vision für ihre Arbeit zu entwickeln.
  6. Wer sind die „schwer erreichbaren Eltern“? Niedrigschwellige Elternbildung am Beispiel des Papilio-ElternClubs (Referentin: Heidi Scheer, Papilio e.V.)'

    Papilio bietet ein Konzept der universellen Prävention für Kinder von 3-6 Jahren in Kindergärten durch die Multiplikatoren-Ausbildung der Kindergärtner an. Dieses Konzept hat als Ziel, das positive Verhalten und die Empathie der Kinder zu fördern. Mit dem „ElternClub“ beziehen die ausgebildeten Papilio-Trainer ebenfalls die Eltern mit in diese Präventionsarbeit ein. In sechs Treffen werden hierzu Hilfen zu alltäglichen Situationen der Eltern diskutiert und reflektiert. Der informelle Austausch zwischen den Eltern bleibt nach diesen Treffen bestehen. Diese präventive Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kindergärtnern und Kindern hat sich als sehr effektiv herausgestellt. Für Ostbelgien könnte dieses Model, wenn auch in angepasster Form, ein Vorbild und eine Bereicherung der präventiven Arbeit im Kleinkindbereich und in der niederschwelligen Erziehungs- und Familienberatung sein.

    Beschlossen wurde der Tag mit einem Konzert des regionalen Künstlers Serge Schoonbroodt auf der Orgel des Heidberg-Klosters und einem abschließenden Networking-Teil.

Ausblick

Der REK-Zukunftskongress brachte viele neue Erkenntnisse zu zahlreichen Themen rund um das Regionale Entwicklungskonzept. Diese werden in den nächsten Wochen und Monaten ausgewertet und sollen eine wichtige Rolle bei der Grundlagenarbeit, um das Programm für die dritte Umsetzungsphase des REK zu erarbeiten, einnehmen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum REK-Zukunftskongress oder zum Regionalen Entwicklungskonzept im Allgemeinen erhalten Sie im Downloadbereich.