Ein kleiner Einblick hinter den Kulissen

Was macht die Europäische Kommission?

Philippe Chantraine aus Eupen kümmert sich dort um grenzüberschreitende Verkehrsnetze. Die Europäische Kommission nimmt im politischen Gefüge der EU die Aufgabe der Exekutiven wahr. Sie fördert allgemeine Interessen der EU durch Vorschläge für neue europäische Rechtsvorschriften und deren Durchsetzung, setzt Strategien um und verwaltet den EU-Haushalt.

Philippe Chantraine ist Eupener und lebt und arbeitet seit elf Jahren in Brüssel. Nach seinem Studium der Philosophie und der Europawissenschaften an der RWTH Aachen führte ihn sein Weg 2004 direkt in die belgische Hauptstadt. Hier begann die berufliche Karriere des heute 41-Jährigen als Assistent des Abgeordneten Mathieu Grosch im Europaparlament.

2008 wechselte er in die Europäische Kommission, wo er im Bereich Verkehr arbeitete, weitere vier Jahre später in die Generaldirektion für Migration und Sicherheit.

Vielfältige Aufgaben

„Das waren sehr intensive Jahre, insbesondere vor dem Hintergrund der Migrationskrise und der terroristischen Attentate. Da habe ich erfahren, wie die Kommission unter Krisenbedingungen arbeitet“, blickt Chantraine zurück. Zu dieser Zeit leitete er auch das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“. Städtepartnerschaften werden hierüber ebenso unterstützt wie europäische Kooperationen, aber auch Organisationen, die Europa erklären, verständlicher machen und näher an die Menschen bringen.

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Ein dritter Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Erinnerung. In dem Zusammenhang werden Organisationen unterstützt, die die guten und nicht so guten Seiten der europäischen Geschichte wachhalten, wie zum Beispiel den Holocaust und die Verfolgungen und Unterdrückungen unter dem Sowjet-Regime.

Vor einem halben Jahr kehrte Chantraine wieder zurück in den Verkehrsbereich. Als stellvertretender Leiter des Referats „Verkehrsnetzwerke“ ist er nun zuständig für transeuropäische Verkehrsnetze.

Was genau bedeutet das? „Wir versuchen, dass Mitgliedsstaaten über Straßen, Schienen und Binnenwasserstraßen besser miteinander verknüpft werden, dass Züge zum Beispiel leichter von einem Land in das andere fahren können“, so Chantraine. Aktuelle Beispiele hierfür sind der Mont-Cenis-Basistunnel zwischen Lyon und Turin sowie der Brennerbasistunnel.

Grenzen abbauen

Das hört sich alles gut an. Doch Chantraine kennt auch die Herausforderungen im Bereich „Infrastrukturen“. Bei Projekten zwischen verschiedenen Mitgliedsstaaten treffen oft unterschiedliche Voraussetzungen und Erwartungen aufeinander. Nicht selten müssen grenzüberschreitende Projekte warten, da nationale Projekte Vorrang genießen.

Dem überzeugten Europäer gefällt seine Arbeit trotzdem, gerade wegen des internationalen Flairs. „Ich denke, dass gerade Menschen, die in Grenzregionen aufgewachsen sind, Europa bewusster vor Augen haben. Ich kenne ja noch die Situation, als Zollbeamte an der Grenze standen. Und jedes Mal war man ein bisschen nervös, ob man kontrolliert wird oder nicht. Mich hat es immer interessiert, Grenzen abzubauen. Daher kann ich mir keine bessere Arbeit als die jetzige vorstellen.“ Und noch einen Vorteil hat er seiner Heimat Ostbelgien zu verdanken: „Als deutschsprachige Belgier sind wir schon als Kinder mehrsprachig aufgewachsen. Viele meiner Kollegen beneiden uns um diesen Vorsprung.“