05.12.2018

Viel Diskussionsstoff und neue Ideen

Europatalk: Europäisches Kulturerbejahr

Referentin des Abends, Sandra Coumans, sorgte für eine angeregte Diskussion, gab Einblicke in die Vielfalt des europäischen Kulturerbes und hinterfragte einige Aspekte kritisch. Auch in Ostbelgien gibt es viele innovative Ansätze zum Kulturerbe!

Was ist Kulturerbe ?

Kulturerbe ist historisch wichtig und bezieht sich nicht nur auf Gebäude oder Gegenstände sondern auch auf Ideale, Ideen, Werte, Sprache und Dialekte, sogar Rezepte,Traditionen und Menschengruppen zählen zum Kulturerbe. Ein historisches Bewusstsein stärkt die Eigenwahrnehmung und beeinflusst eine Region.

Aber Kulturerbe ist erstaunlicherweise ebenfalls ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. In der EU sind 300.000 Menschen direkt im Kulturerbe beschäftigt, weitere 7,8 Millionen Arbeitsplätze sind indirekt mit dem Kulturerbe verbunden.

Kulturerbe als Instrument

Kulturerbe ist jedoch mehr als nur "schön anzusehen". Das Kulturerbe kann auch ein wichtiges Instrument sein, um Konflikte weiter anzufeuern, wie zum Beispiel bei der Zugverbindung zwischen Serbien und dem Kosovo. Die Referentin kritisierte, das solche Fälle der Instrumentalisierung nicht durch Kulturerbeinstitutionen diskutiert werden, denn dies sei kein Einzelfall.

"Kulturerbe hat keine Grenzen, es hinterlässt Verbindungen und Spuren- da ist kein Platz für nationalistisches Denken" - Teilnehmer des Abends

In der anschließenden Debatte kristallisierte sich darüber hinaus auch positive Möglichkeiten der Instrumentalisierung heraus: So könnte Kulturerbe, ob materielles oder immaterielles, genutzt werden um die Integration von Zuwanderern zu vereinfachen, denn das Kulturerbe vermittelt wichtige "Eigenheiten" einer Region.

Macht ein Europäisches Jahr des Kulturerbes Sinn?

Ob viele Menschen in Europa über das europäische Jahr Bescheid wissen, gilt anzuzweifeln, fest steht jedoch, dass im vergangen Jahr sehr viel passiert ist!

Es fanden eine ganze Reihe Aktionen, Konferenzen und Veranstaltungen in ganz Europa statt. Auch in Ostbelgien fanden die Tage des offenen Denkmals statt. Auch ein Fotowettbewerb wusste die Ostbelgier zu begeistern.

Paradox sei jedoch, dass immer weniger europäische Mittel für Kulturprojekte zur Verfügung stehen. Nicht etwa weil die Mittel gekürzt werden, aber es wird zunehmend in die Forschung investiert und weniger in grenzüberschreitende Kulturprojekte.

Hinzu kommt, dass viele Staaten ihre Mittel für Kultur senken. In Ostbelgien hingegen sind die Mittel für den Kultursektor gestiegen.

Und wie sieht es aktuell in Ostbelgien aus ?

In Ostbelgien gibt es neben verschiedenen Aktionen auch eine rege Debatte, was mit dem materiellen Kulturerbe geschehen soll, das nicht mehr genutzt wird. Man rechnet damit, dass etwa 90 % der Kirchen in Ostbelgien in Zukunft leer stehen.

Die Teilnehmer sind sich einig, dass ein neuer Zweck für diese Gebäude gefunden werden sollte.Aam bestem im kulturellen Sektor, so würde "die Kultur die Kurve noch bekommen".

Raum für neue Ideen

Im Laufe der Diskussion entstanden viele neue Ideen. Vor allem sollten junge Leute erreicht werden, so kam z.B. die Idee eines Schüleraustausches, bei dem Schüler, Lieder, Rezepte oder auch Denkmäler erkunden könnten. Auch die sozialen Medien sollten genutzt werden, etwa durch einen Podcast.